Geschichte

Die folgenden Zeilen wurden entnommen aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen unseres Vereins. Sie stammen aus der Feder unseres, leider im Jahre 2000 verstorbenen, Ehrenvorsitzenden und Ehrenmitglieds, Adolf Schriever.

Wer wie der Verfasser dieser Vereinsgeschichte rund sieben Jahrzehnte das Geschehen im Goldenberger Turnverein bewusst und aktiv miterlebt hat, kann es wohl wagen, hier eine Darstellung der wesentlichen Ereignisse aus Anlass des 100-jährigem Bestehens niederzulegen. Was sich von 1892 bis 1920 getan hatte, war aus überlieferten Unterlagen zu entnehmen.

Die Welle von Turnvereingründungen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts den Bergischen bzw. Remscheider Raum erfasst hatte, erreichte 1892 auch den Goldenberg. So geschah es, dass eine Gruppe von 13 jungen Männern am 25. September 1892 in der damaligen Gasstätte von Hugo Markus, dem heutigen „Haus Goldenberg“, den Goldenberger Turnverein aus der Taufe gehoben hat. Die Kegelbahn der Gasstätte reichte aus, um als Turnstätte mit allen Zeichen der Bescheidenheit zu dienen. Acht Jahre hielt dieses Gastrecht an.

1900 wechselte man in die „Villa Goldenberg“ am Singersberg über, deren Saal als Turnhalle diente und deren Restaurant zur geselligen Runde einlud. Nicht die Raumverhältnisse, ehe der Ärger mit dem Wirt, der durch Veranstaltungen im Saal den Turnbetrieb hin und wieder blockierte, ließ den Wunsch aufkommen, den Bau einer eigenen Turnhalle ins Auge zu fassen. Man schritt zu Sammlungen in der Bürgerschaft und zu anderen Spendenaufrufen. Aber man hätte wohl noch viele Jahre warten müssen, um ans Ziel zu kommen, wenn nicht im Jahre 1910 so etwas wie ein Wunder geschehen wäre:

Nicht die Raumverhältnisse, ehe der Ärger mit dem Wirt, der durch Veranstaltungen im Saal den Turnbetrieb hin und wieder blockierte, ließ den Wunsch aufkommen, den Bau einer eigenen Turnhalle ins Auge zu fassen. Man schritt zu Sammlungen in der Bürgerschaft und zu anderen Spendenaufrufen. Aber man hätte wohl noch viele Jahre warten müssen, um ans Ziel zu kommen, wenn nicht im Jahre 1910 so etwas wie ein Wunder geschehen wäre.

So etwas wie ein Wunder

Der in jungen Jahren aus dem hiesigen Bezirk nach Österreich ausgewanderte und dort als Fabrikant zu einigem Wohlstand gekommene Adolf Westen fühlte sich, nicht ohne freundliches Zureden der damaligen Vereinsführung, positiv angesprochen und ließ im Oktober 1910 durch seine Neffen Peter und August Westen in der Villa „Goldenberg“ die unwahrscheinlich klingende – deshalb aber mit um so größerer Begeisterung aufkommende Nachricht übermitteln, er wolle „zu Nutz und Frommen des Vereins und des Schulbezirks Goldenberg“ das Geld für eine Turnhalle stiften. Nur ein Jahr später, im Oktober 1911, konnte die 65.000,- Reichsmark kostende Halle mit einem Festakt eingeweiht werden.
Damit war der Verein im Jahre 1911 unerwartet schnell Eigentümer eines stolzen Bauwerks geworden, das seitdem ein markanter Mittelpunkt von Goldenberg ist. Inzwischen unter Denkmalschutz gestellt, wird die Halle neben dem Verein im Sinne des Stifters auch von der benachbarten Schule und anderen Vereinen für Veranstaltungen genutzt. Ist doch die Turnhalle in ihrer Struktur eine glückliche Kombination von Übungsstätte und Festsaal bis auf den heutigen Tag geblieben.
Nachträglicher Dank ist der damals noch selbständigen Stadt Lüttringhausen bzw. ihren Stadtverordneten zu zollen, die dem Verein das neben der Schule liegende Grundstück kostenlos zur Verfügung stellten. Nachträglicher Dank wurde dem Stifter selbst zuteil, indem der Verein der Turnhalle den Namen „Westen Stiftung“ gab, indem die Stadt Lüttringhausen ihn 1929 zum Ehrenbürger ernannte und eine in der Nähe liegende neu entstandene Straße im Jahre 1966 auf unsere Anregung hin den Namen „Adolf-Westen-Straße“ erhielt.

Die Existenz der Halle hatte natürlich für das Vereinsleben in den folgenden Jahren positive Auswirkungen. Zur reinen „Männergesellschaft“ kamen bald die Frauen und Kinder hinzu. 1923 trat anstelle des Fußballsports die Handballabteilung, die seitdem ein fester Bestandteil des Vereins geblieben ist und auch zeitweise leistungsmäßig in hoher Blüte gestanden hat.
Nicht unerwähnt bleiben darf der hohe Standart im Geräteturnen in den 20er und 30er Jahren unter Karl Benninghoven bei den Männern und später Henny Blanke und Hans Schriever bei den Frauen. Nach der Inbetriebnahme des Hallenbads in Lüttringhausen wurde 1930 die Schwimmabteilung ins Leben gerufen.

Der Goldenberger Turnverein stellt sich heute als eine auf Gemeinnützigkeit fußende Vereinigung dar, in der neben dem gesunden Streben nach Leistungen der dafür Talentierten das Bemühen um körperliche Tüchtigkeit auf breiter Grundlage im Vordergrund steht. Turnen für Jedermann, Gymnastik, Handball, Mutter- und Kind-Turnen, Baby-Gymnastik, Leichtathletik, Volleyball und Schwimmen sich Fachgebiete, die die Übungsstunden des Vereins prägen, wobei die eigene Halle schon seit vielen Jahren nicht mehr ausreicht, vielmehr Handball und Volleyball in zwei städtische Hallen ausgelagert werden konnten.

Der Verein zählt heute weit über 600 Mitglieder, bei denen das weibliche Geschlecht in der Mehrzahl ist. Es sei hinzugefügt, dass die Zahl der Mitglieder, die sich regelmäßig zu den Übungsstunden einfinden, gegenüber den Inaktiven erfreulich hoch ist. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass der Zuspruch zu den Abteilungen weitgehend von der Qualität der Übungsleiter abhängt. Wenn hier von der Qualität der Übungsleiter die Rede ist, dann trifft diese Bewertung besonders auf einige Frauen und Männer zu, die dem Vereinsleben besondere Impulse gegeben und die es verdient haben, in die Erinnerung gerufen zu werden, auch als Beispiel für die heutige und nachfolgende Generation. Karl Benninghoven, selbst hervorragender Geräteturner, stand in den Jahren 1920 – 1939 in der Regel dreimal wöchentlich vor seinen Abteilungen und beflügelte sie zu tätigem Gemeinsinn und überdurchschnittlichen Leistungen.

Genannt sei Fritz Völmecke, den früheren Lehrer an der Goldenberger Schule, der sich nach 1945 um den Wiederaufbau des Kinderturnens verdient gemacht hat und in seiner Doppelfunktion als Lehrer und Kinderturnwart die vom Verein immer erstrebte Verbindung zur Schule personifizierte. Genannt sei Erich Werner, der über drei Jahrzehnte der Handballabteilung vorstand und sie zu überregionaler Bedeutung führte.

Vergessen sei auch nicht der Name von Henny Blanke, eine in der Nachkriegszeit tüchtige Frau für das Turnerinnenturnen. Sie ging in der Gymnastik und im Tanzspiel neue Wege und hat damit zur Außendarstellung des Vereins erheblich beigetragen.
Neben Karl Benninghoven ist Hans Schriever als wesentlicher Träger des allgemeinen Übungsbetriebes und Förderer des Leistungsturnens bei den Turnerinnen zu nennen. Darüber hinaus widmete er sich – von den meisten unbemerkt – mit Geschick und angeborenem Können all den Dingen, die mit der Erhaltung und Verbesserung in und um die Turnhalle fällig waren. Sei Einsatz galt auch dem im Jahre 1965 geschaffenen Übungsplatz, mit dessen Bau ein Traum der Altvorderen in Erfüllung gegangen war. In die Reihe der besonders qualifizierten Fachkräfte gehört nicht zuletzt auch Renate Opitz-Schriever, die das Mutter- und Kindturnen aus der Taufe gehoben und mit Gründung von einigen Gymnastik-Gruppen das Frauenturnen auf eine sehr breite Grundlage gehoben hat. Als Fachmann des Handballspiels bewährt sich seit vielen Jahren Peter Schwirblat und hat zu den Erfolgen dieser Sportart erheblich beigetragen.

Engagement in Sportverbänden

Nicht unerwähnt bleiben darf die Erinnerung daran, dass sich Mitglieder des Vereins dem Ruf nach Mitarbeit in Turn- und Sportverbänden nicht verschlossen haben. So war Hans Schriever viele Jahre Oberturnwart im Bergischen Turngau und hat sich dabei als Organisator von Veranstaltungen des Gau, des Rheinischen- und Deutschen Turnerbundes einen Namen gemacht, war sein Bruder Adolf Schriever zehn Jahre lang Pressewart im Rheinischen Turnerbund, bekleidete Ernst Halbach über drei Jahrzehnte die Funktion als Vorsitzender im Handballkreis Remscheid, war beim Bergischen Turngau und Stadtsportbund Remscheid jeweils einige Jahre Vorsitzender, war Renate Opitz-Schriever ein gutes Jahrzehnt Gaukinderturnwart und stellte sich Rolf Lehmann von 1977 bis auf den heutigen Tag als stellvertretender Gauvorsitzender zur Verfügung.

Eigentum hat seinen Preis
Der Goldenberger Turnverein gehört zu den vergleichsweise wenigen Vereinen, die über Eigentum verfügen. Zu seiner Erhaltung und Modernisierung investiert er Jahr für Jahr erhebliche Gelder. Das tut er gern, erhält er sich damit doch die freie Verfügung über Turnhalle und Übungsplatz nach seinen Bedürfnissen. Der finanzielle Aufwand schlägt sich anderseits zum Teil negativ bei den Aufwendungen des Vereinsbetriebs nieder. Da sind die Vereine, die ausschließlich städtische Sportanlagen kostenlos nutzen, erheblich besser gestellt.
Wenn wir dennoch einigermaßen gut über die Runden gekommen sind, hat sich das am sparsamen Wirtschaften, an der Rationalisierung, u.a. bei den Heizanlagen, an der Mithilfe und Spenden von Mitgliedern, an den Erlösen aus Festveranstaltungen und an der seit Bestehen der Turnhalle geübten Praxis gelegen, nur solche Hausmeister unter Vertrag zu nehmen, die diese Tätigkeit nicht als Hauptbeschäftigung ausübten, sondern tagsüber ihrem Beruf nachgingen, um in ihrer Freizeit ihren Verpflichtungen als Hallenwart nachzukommen. Dabei war die Mithilfe ihrer Familienangehörigen unerlässlich.

Die Stadt als Partnerin 
Das alles aber hätte nicht ausgereicht, wenn der Verein nicht im Stadtrat und in der Stadtverwaltung gutwillige und einsichtige Partner angetroffen hätte. So gut wie keine Baumaßnahme und Beschaffung zuschussfähiger Geräte hätte nicht ohne städtisches Zutun realisiert werden können, wie auch die Mieteinnahmen aus der Nutzung der Turnhalle durch die Schule Goldenberg zur finanziellen Absicherung beigetragen haben. Rat und Verwaltung haben erkannt, was Vereine mit Eigentum für das Gemeinwohl bedeuten, was diese Vereine für die Entlastung des Stadtsäckels leisten und die Zuwendungen aus Steuermitteln sehr wohl vertretbar sind.